Prioritäten und Reue

Hallo meine lieben Leser,

zum heutigen Artikel hat mich eine Buchrezension inspiriert, es geht um das Buch „Die 5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen“ von der Australierin Bronnie Ware. Bronnie arbeitete mehr als 8 Jahre als Palliativpflegerin für todkranke Menschen und ihr fiel auf, dass es einige gemeinsame Nenner gab – wenn Sterbende auf ihr Leben zurückblicken, bereuen sie oft die gleichen Dinge. Die Top 5 ihrer gesammelten Reueliste lautet wie folgt:

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1. „Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, mein eigenes Leben zu leben“

Das bedauern laut Bronnie Ware fast alle Menschen. Es gibt so viele Leute, die durchs Leben gehen und die meiste Zeit Dinge tun, von denen sie glauben, dass andere sie von ihnen erwarten. Oft glauben die Menschen, sie müssten sich auf eine gewisse Weise verhalten, um geliebt und akzeptiert zu werden, dass das, was sie sind, nicht genügen würde. Meist wird der Grundstein für dieses Muster bereits in der Kindheit gelegt – wenn etwa dem Kind gesagt wird „Wenn du dies oder jenes tust, habe ich dich nicht mehr lieb“ oder das Kind als „böse“ stigmatisiert wird wenn es unerwünschte Verhaltensweisen zeigt. Wird so eine Programmierung über Jahre verfestigt und auch nie der Versuch unternommen, diese zu löschen, ist die Wahrscheinlichkeit für ein erfülltes Leben gering. Gerade um solche Muster zu durchbrechen, finde ich Human Design als Werkzeug äusserst nützlich, da es dabei ganz stark darum geht, das individuelle Ich anzuerkennen und lieben zu lernen.

2. „Ich wünschte, ich hätte nicht so viel gearbeitet“

Angeblich berichteten fast alle Männer, die Bronnie Ware betreute, dass sie zu viel gearbeitet und zu wenig gelebt hätten – weil sie Angst hatten, nicht genug Geld zu verdienen, oder ihrer Karriere wegen. Ich denke, das ist auch ein sehr aktuelles Problem in unserer westlichen Kultur – viele Menschen geraten in die wirtschaftliche „Tretmühle“, in der sie sich abstrampeln, nur um irgendwann zu realisieren, dass sie bei den wirklich relevanten Dingen im Leben kein Stückchen weiter gekommen sind. Aus dieser „Tretmühle“ rechtzeitig wieder rauszukommen, ist oft ein schwieriges Unterfangen, weil so viele kollektive Angstthemen damit verknüpft sind. Nach meiner Erfahrung ist es hierbei sehr hilfreich, das eigene Weltbild zu erweitern – sei es durch Reisen in andere Kulturen oder noch besser durch das transzendieren des physischen Weltbildes, was jedem im eigenen Wohnzimmer möglich ist.

3. „Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, meine Gefühle auszudrücken“

Bronnie Ware schreibt, dass viele Menschen ihre Gefühle um des lieben Friedens willen unterdrücken – das führe dazu, dass sich viele in einer mittelmässigen Existenz einrichten und nie zu dem werden, was sie hätten sein können. Sie glaubt auch, dass viele Krankheiten ihrer Patienten sich daraus entwickelten. Dieser Interpretation schliesse ich mich an, denn wenn das Innen und das Aussen eines Menschen in Dissonanz sind, so kann sich das durchaus in einer Krankheit äussern. Die Schwierigkeit beim ehrlichen Ausdruck von Gefühlen besteht oft darin, den Anderen (üblicherweise ein geliebter Mensch) nicht damit zu überfordern, gleichzeitig aber auch nicht alles unverarbeitet in sich hineinzufressen. Hierbei hat sich für mich die Vulkanübung als nützliches Werkzeug erwiesen, weil sie eine Art geschützten Rahmen für den Gefühlsausdruck schafft.

4. „Ich wünschte mir, ich hätte den Kontakt zu meinen Freunden aufrechterhalten“

Viele von Bronnies Patienten bedauerten, dass sie nicht genügend Zeit in ihre Freundschaften investiert hatten – jeder vermisse seine Freunde, wenn er stirbt. Dieses Problem hängt meines Erachtens auch stark mit Punkt 1 und 2 auf der Liste zusammen, denn wenn man in der „Tretmühle“ ist, hat man oft wenig Zeit für die Freunde. Und wer nicht den Mut hat, sein eigenes Leben zu leben, wird vielleicht manche liebgewonnene Menschen nur selten treffen, damit nicht Andere schlecht über seine Gesellschaft denken.

5. „Ich wünschte, ich hätte mir erlaubt, glücklicher zu sein“

Hier geht es darum, dass viele Menschen zwar grundsätzlich erfolgreich im Leben sind, sich jedoch ständig auf Dinge fokussieren, die nicht so laufen, wie sie es gerne hätten. Dadurch sehen sie nur ihre „Fehlschläge“ anstatt ihrer Erfolge und klammern sich an das Gefühl des Unglücks, anstatt sich über die Dinge, die sie erfolgreich erreicht haben, zu freuen. Wenn man zu sehr in alten Mustern verstrickt ist, wie das Leben zu laufen hat, ladet man natürlich das Unglück ein, statt sich entspannt dem hinzugeben, was sich ergibt. Hier kann es hilfreich sein, bewusst die eigene Aufmerksamkeit auf die positiven Aspekte im Leben zu richten, um sich wieder an den kleinen Dingen erfreuen zu können und das eigene Glück wiederzuentdecken.

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(Quelle: The Fountain von Darren Aronofsky)

Für mich sind diese Gedanken eine gute Einladung, sich selbst mal einige Fragen zu stellen, besonders bezüglich der eigenen Prioritäten im Leben. Bei einigen von Bronnies Patienten war es so, dass sie kurz vor oder nach dem Pensionsantritt, wo sie dann endlich „ihres“ leben wollten (davor hatte man ja keine Zeit), plötzlich schwer erkrankt sind und schliesslich kurz darauf voller Reuegefühle starben.  Daher ist es sinnvoll, sich mit der leiblichen Sterblichkeit und dem Tod zu beschäftigen, ehe der Tod sich mit einem beschäftigt. Wie der deutsche Schriftsteller Karl August Varnhagen von Ense so schön schrieb: „Der Mensch fürchtet den Tod nur, weil er noch nicht glücklich genug gewesen ist.“ Und in China gibt es das Sprichwort: „Als du auf die Welt kamst, weintest du und um dich herum freuten sich alle. Lebe so, dass, wenn du die Welt verlässt, alle weinen und du lächelst.“

inspiriertes Nachsinnen wünscht euch,

Geri

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Über Geri

www.bauchstimme.at
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3 Antworten zu Prioritäten und Reue

  1. diehummel schreibt:

    Hat dies auf annasgardencommunity Gemeinschaft.er.leben rebloggt und kommentierte:
    Danke für die stimmige Zusammenfassung 🙂

  2. Christina Müller schreibt:

    ein schöner artikel… and looooove the big toe, great reading!

    • gerisch schreibt:

      Danke für die Blumen – die big TOE finde ich auch großartig, wenngleich an manchen Stellen etwas langwierig, aber der Erkenntnisgewinn wiegt das mehr als auf.

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