Theory of Everything

Einen schönen Advent wünsche ich,

heute möchte ich über etwas schreiben, das nicht direkt mit Human Design zu tun hat, und zwar geht es um das Buch „My Big TOE“ von Thomas Campbell, das ich unlängst gelesen habe. Das TOE im Titel steht für Theory of Everything und bezeichnet den kühnen Versuch, mit Hilfe weniger Grundannahmen ein großes Bild zu zeichnen, das in westlich-wissenschaftlicher Sprache (aber ohne Formeln) die Wirklichkeit, wie wir sie kennen, vollständig erklärt. Klingt ein wenig unrealistisch, aber meines Erachtens war er erfolgreich.

mybigtoe

Auf Deutsch ist im Moment nur der erste Teil der Trilogie verfügbar, aber wer sich vor einem 800seitigen Werk in englischer Sprache nicht scheut, kann es sogar frei über Google Books lesen. Was für mich der spannendste Kern der Sache ist: Tom Campbell hat nicht einfach irgendwelche theoretischen Überlegungen angestellt, um zu einer logischen Theorie zu kommen, sondern er hat in etwa 30 Jahren direkt verschiedenste „materielle“ und „nichtmaterielle“ Welten kennengelernt, wodurch er unsere Wirklichkeit aus einer höheren, übergeordneten Ebene betrachten konnte. Von Beruf ist er übrigens Physiker und hat unter anderem für die NASA gearbeitet, es handelt sich also nicht um jemanden, den man leicht als Spinner abtun kann (was natürlich der bequeme Weg ist, um seine festgefahrene Weltsicht nicht ändern zu müssen). Mittlerweile hält er viele Vorträge, die man auch über Youtube anschauen kann.

 

 

Doch zurück zum Buch: Im Grunde trifft Tom Campbell nur zwei Grundannahmen, nämlich erstens, dass es zu „Anfang“ eine absolut grenzenlose Einheit gab, die entgegen ihres Namens aber sehr wohl begrenzt ist, jedoch so gross, dass es für uns wie unendlich erscheint. Dieses „Alles-was-ist“ ist bewusst und digitaler Natur, also aus diskreten Einheiten aufgebaut, ausserdem könnte es noch weitere übergeordnete Realitätsebenen geben, die wir aber nicht fassen können, weil das ungefähr so weit weg für uns ist, wie für ein einzelnes Atom eines unserer Darmbakterien keinerlei Verständnis für unsere Steuererklärung da ist. Also sollte es korrekterweise auch nicht „Theorie von Allem“ heissen, sondern „Theorie von Allem, was wir je ansatzweise nachvollziehen können“. Wir stossen da also auch auf die Grenze, die wir in unserem Universum als Urknall bezeichnen – der Punkt, an dem die Kausalität zusammenbricht. Wenn jeder Ursache eine Wirkung vorangehen muss, was war, bevor Zeit und Raum existierten? Für das große Bild lässt sich die Frage nicht beantworten, jedoch für unser kleines Bild – nämlich für unser Universum, und sogar für die darüberliegende, höhere Realitätsebene.

Um sich das besser vorstellen zu können, denken wir nur an unsere Geburt – wir selbst haben keine Ahnung davon, wie wir entstanden sind, es ist ein Mysterium aus unserer Sicht. Aus Sicht unserer Eltern war sowohl die Entstehung unseres Lebens, als auch was davor war, ziemlich banal und klar (auch wenn sich Eltern oft damit schwertun, diese eigene Klarheit ihren Kindern ohne ins Stottern zu geraten weiterzugeben 😉 )

Die zweite Grundannahme, die Tom Campbell trifft, ist das, was er den Fundamentalen Prozess nennt, etwas was wir auch als Evolution wahrnehmen, bei dem es im Grunde darum geht, dass Bewusstsein effizienter wird. Durch die Wechselwirkung von der absolut grenzenlosen Einheit mit dem Fundamentalen Prozess entstehen Zeit und Realitäten mit eingeschränkten „Freiheitsgraden“. Was wir z.B. als Raum bzw. Raumzeit wahrnehmen, ist eine Einschränkung, die nur den Sinn hat, weniger entwickeltes Bewusstsein möglichst effizient zur Selbstverbesserung zu bringen – wir sind wie Spieler eines virtuellen Realitäts-Spiels. „Verbesserung“ im Sinne des Fundamentalen Prozesses ist eine Verringerung der Entropie des Bewusstseins – also eine Erhöhung der inneren Ordnung zum Zwecke effizienterer Selbstorganisation. Effizienteres Bewusstsein mit niedriger Entropie nehmen wir als liebevoll und angstfrei wahr. Im Umkehrschluss ist es daher unsere Aufgabe, unsere Ängste loszuwerden und liebevoller zu werden. Theoretisch können wir genauso den anderen Weg gehen, Ängste schüren und uns auf Kosten vieler Anderer selbst „erhöhen“ (unser Ego aufzublähen) – aber dabei verhalten wir uns im Grunde wie Krebszellen in einem grösseren Organismus, das Verhalten ist fürs grosse Ganze nicht effizient.

Was bringt es uns, aus der kleinen Perspektive gesehen, unser Bewusstsein zu verbessern? Ganz einfach, wenn wir den Lernstoff unseres „kosmischen Kindergartens“ gut verinnerlicht haben, können wir endlich die nächst höhere „Schulstufe“ besuchen, was bedeutet, wir können in einer höheren Realitätsebene weiterlernen, die mit weniger Einschränkungen behaftet ist. Dadurch stehen uns auch viel mehr Handlungsmöglichkeiten zur Verfügung (wir dürfen sozusagen endlich selbst Feuer machen und die scharfen Messer benutzen 😉 ). Jeder kann sich im Endeffekt nur selbst weiter verbessern, andere Menschen können immer nur hilfreiche Ratschläge geben, aber die Tür müssen wir immer selbst durchschreiten.

Mein Fazit: Ein ganz wunderbares Buch voller sehr grosser Wahrheiten, die man aber erst durch Erfahrung zu eigenen Wahrheiten machen muss. Es sollte besonders westlich-wissenschaftliche Menschen mit dominanter linker Hirnhälfte ansprechen, aber durchaus auch andere Sucher von Antworten. „Skeptisch, aber offen“ ist die vom Autor empfohlene Herangehensweise an das Buch wie auch ans Leben. Auch für mich persönlich, obwohl ich mich schon vielen Weisheitsbüchern gewidmet habe, kamen einige neue Erkenntnisse hervor – mein Verständnis von Raum und Zeit hat sich erweitert, und auch der scheinbare Widerspruch zwischen freiem Willen und Zukunftsvorhersagen hat sich aufgelöst. Wer also schon immer mal verstehen wollte, warum kuriose quantenmechanische Phänomene wie Doppelspaltexperiment, Quanten-Zeno-Effekt oder Delayed Choice Quantum Eraser im Grunde völlig logische Konsequenzen eines grösseren Weltbildes sind (und welche noch kurioseren Dinge sich dabei ergeben), der möge „My Big TOE“ eine Chance geben.

 

In diesem Sinne Go, Team Rats!

Geri

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Über Geri

www.bauchstimme.at
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2 Antworten zu Theory of Everything

  1. Christina Müller schreibt:

    mhm, klingt gut sagt bauch! nimm an

    In diesem Sinne Go, Team Rats! ist ein stück aus dem buch?! lg christina

    • gerisch schreibt:

      Ja, Tom Campbell hat einen etwas eigentümlichen Humor und hat unsere Realität auch wie ein Labor beschrieben, in dem die Ratten (unter anderem wir) versuchen, den Käse zu finden. Die Laborratten, die versuchen aktiv ihr Bewusstsein zu verbessern, nannte er Team Rats, während jene, gegen die Gesamtheit arbeiten, zum Team Anti-Rats zählen – aber ohne moralische Wertung.

      gr,
      Geri

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