Typologie und ihre Tücken

Hallo meine lieben Leser,

heute möchte ich mich einem wichtigem Thema widmen, nämlich den Fallstricken in der Lehre der Typen im Human Design. Jeder, der sich schon mal ein wenig mit dem System befasst hat, hat vermutlich auch schon von den Grundtypen Manifestor, Projektor, Generator (und manifestierender Generator) sowie Reflektor gehört – manche Richtungen verwenden andere Bezeichnungen, was aber am Ende dasselbe in Grün ist.

Um das nochmal schnell zu rekapitulieren: Ein „Reflektor“ ist jemand, der kein einziges Zentrum definiert hat. „Generatoren“ sind jene, die ein definiertes Sakralzentrum haben, ist dabei ausserdem noch ein Motor mit dem Kehlzentrum verbunden, spricht man vom „Manifestierenden Generator“. Hat jemand einen Motor zum Kehlzentrum verbunden, aber kein definiertes Sakralzentrum, so nennt man ihn „Manifestor“, und hat man weder ein definiertes Sakralzentrum, noch einen Motor, der zum Kehlzentrum verbunden ist, wird man als „Projektor“ bezeichnet.

Typen

So weit, so bekannt. Was weniger bekannt ist – diese Form der Einteilung gab es nicht von Anfang an. Die ersten zwei Publikationen von Ra waren „Das Human Design System“(1991/92), genannt schwarzes Buch und „Aus dem Buch der Lettern“(1995/96), auch bekannt als weisses Buch. In keinem der beiden Bücher werden die Typen auch nur erwähnt, aber es wird von zwei verschiedenen „Modi“ gesprochen, und zwar dem Modus „Tun“ und dem Modus „Warten“. Hier heisst es einfach, wer einen Motor zur Kehle verbunden hat, kann jederzeit handeln und in die Tat umsetzen, jemand der das nicht hat, hat zu warten. Nun könnte man natürlich mutmassen, der Modus sei einfach noch eine gröbere Einteilung gewesen, die mit den Typen später verfeinert wurde – allerdings gibt es da einen wichtigen Unterschied: Bei der Einteilung nach Modus gibt es etwa 45% „Tun“-Menschen und etwa 55% „Warten“-Menschen, während bei der Einteilung nach Typen es nur etwa 10% „Tun“-Menschen (Manifestoren) gibt und 90%, die „Warten“-Menschen sind. Dabei gehe ich von der Interpretation Ra’s aus, die sowohl für pure Generatoren als auch manifestierende Generatoren die Strategie „Warten und reagieren“ ausgibt. Würde man den manifestierenden Generatoren dieselbe Strategie mit auf den Weg geben wie Manifestoren, wären wir wieder bei 45% zu 55%.

Nachdem die Diskrepanz zwischen 45% to-do-Typen vs. 10% to-do-Typen doch sehr hoch ist, sollte man das schon mal näher betrachten. Vielleicht ist es ja einfach so, dass der manifestierende Generator in der „klassischen“ Deutung missverstanden ist, denn dann wären wir wieder bei denselben Zahlen und so weit ich weiss, wird bei den Analytikern dieser Typus auch sehr unterschiedlich behandelt. Wegen dieser Uneinheitlichkeit möchte ich auch lieber einen anderen Typus als Beispiel verwenden, nämlich den Projektor, der meines Wissens ziemlich einheitlich gedeutet wird.

PowerProjektor

Im obigen Bild sehen wir einen untypischen Projektor, der drei Motoren definiert hat und insgesamt 5 Brückentore zur Kehle besitzt. Ich behaupte, dass diese Person schlecht beraten wäre, wenn ich ihr sagen würde „Warte bis du eingeladen wirst“. Warum das? Nun, erstens würde mir die Person dann ständig ums Haus rennen 😉 und zweitens ist es nunmal durch die Brückentore so, dass bereits nur durch den Mond jeden Monat etwa 40 Stunden Zeitfenster für Manifestation bereitstehen, und falls irgendwelche Langläufer dort durchziehen, hätte sie sogar monate- oder auch jahrelang die Verbindung zur Kehle geschlossen. Und wenn zu diesen Zeiten sowohl die Stimmung passt, als auch der Antrieb und der Wille da ist, etwas zu tun – warum sollte die Person dann noch auf irgendeine Einladung warten?

Natürlich könnte diese Person auch stetig wartend durchs Leben gehen – im Fluss des Lebens wird jeder dorthin kommen, wo er hin soll -, jedoch entspricht das in diesem Fall nicht dem Design und es würde zu unnötiger Unruhe und Stress kommen. Und eine sehr wichtige Frage für alle Menschen, die zu „warten“ haben lautet ausserdem: Worauf sollen sie eigentlich warten? Darauf, dass das Leben auf sie zukommt und sie dann entsprechend ihrer inneren Autorität für sich korrekt reagieren, das ist so weit schon klar, aber diese Typen sind nicht zu ewigem „nur reagieren können“ verdammt. Denn wenn es etwas gibt, was sie initiieren möchten, was für ihre innere Autorität auch korrekt ist, dann kann es sein, dass sie einfach auf den richtigen Zeitpunkt warten müssen (damit die Verbindung zum Kehlzentrum geschlossen wird). Ist der Zeitpunkt auch passend, dann spricht nichts dagegen, zu tun – man könnte den richtigen Zeitpunkt auch als „Einladung des Lebens“ für einen Projektor auffassen.

Wie lautet nun die Conclusio? Ich sehe die Typenlehre als Faustregel an, die für viele Menschen passt und für einige nicht – man muss sie nicht zwangsweise komplett über den Haufen werfen, aber es ist absolut möglich sie komplett aus einer Beratung herauszulassen, ohne dass dabei etwas Wesentliches fehlen würde. Meines Erachtens verträgt sich der Grundgedanke der Typologie, die eine Generalisierung darstellt, nicht so gut mit dem Grundkonzept des Human Design, wo es schliesslich um die höchst individuelle Wahrheit des einzelnen Menschen geht. Dennoch kann es hilfreich sein, die Typen zu verwenden, wenn es z.B. akuten Zeitmangel für die Beratung gibt, denn dann brauche ich kurze, griffige Formeln, mit denen man arbeiten kann. Da ich persönlich nicht so dem Mangeldenken anhänge, habe ich daher auch für mich die begleitende Beratung als Grundkonzept eingeführt, um ausreichend Zeit für die Reise ins individuelle Ich zur Verfügung zu haben.

Dazu als Abschluss noch ein Zitat von Ra höchstpersönlich: “To look at any human being and to look at any chart is to see no generalization. It’s to see something that is truly unique and to embrace it. I don’t know, I’ve never known, the way in which another human being understands what I mean when I say unique. I’m not talking about different. I’m talking about unique. I’m talking about nothing like it, nothing like it ever before, nothing like it ever after, nothing like it. Can you grasp that? That’s you.”

einen inspirierten Tag euch allen,

Geri

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Über Geri

www.bauchstimme.at
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