Konditionierung – eine Betrachtung

Anlässlich des kürzlichen Vatertages möchte ich wieder einmal in die Tasten greifen und einen kleinen Artikel schreiben, und zwar über das Thema Konditionierung. Konditionierung ist hier im Kontext von Human Design zu verstehen, nicht als klassische Konditionierung nach Pawlow bzw. instrumentelle Konditionierung nach Thorndike.

Warum wird also der Begriff Konditionierung eigentlich verwendet? Allgemein formuliert, bedeutet es im Human Design so viel wie „Beeinflussung des eigenen Verhaltens aufgrund äusserer Reize“, was dann ja wieder eine Definition wäre, die mit dem ursprünglichen Begriff wichtige Gemeinsamkeiten aufweist.

Die äusseren Reize, die einen Menschen beeinflussen, sind mannigfaltig – der aktuelle Stand der Gestirne, andere Menschen, Tiere und Pflanzen, mit denen wir in berührenden Kontakt kommen – all das konditioniert uns. Im Human Design differenziert man  natürlich noch, ob die Konditionierung offene Bereiche der eigenen Körpergrafik betrifft, in denen man besonders sensibel und beeinflussbar ist, oder ob es definierte Bereiche sind, die weniger stark beeinflusst werden. Oft ist der Begriff in Human Design Kreisen negativ besetzt, obwohl Konditionierung an sich nichts Negatives ist – sie wird nur dann zum Problem, wenn jemand anfängt, sich mit den Energien von Aussen, die einen beeinflussen, zu identifizieren und versucht, daran festzuhalten. Angenommen ein Mann und eine Frau leben schon 20 Jahre zusammen, der Mann hat ein offenes Milz-, G- und Herzzentrum, die von der Frau definiert werden.

Rave Chart von Gerald ScheibelhoferSandra HDS Mandala

Links das Chart des Mannes, rechts das Chart der Frau – irgendwoher kenn ich die 😉

Der Mann war sich nie dessen bewusst, dass sein körperliches Wohlbefinden, sein Sinn für Identität und seine Willenskraft eigentlich Konditionierung seitens seiner Frau war. Nun werden die beiden zum Beispiel plötzlich getrennt, sei es durch Scheidung oder Tod. Dem Mann kommt es plötzlich so vor, als sei ein Teil seines Selbst nicht mehr da – ihm fehlt es an Willenskraft, er weiss nicht mehr wer er ist und er ist körperlich durch den Wind. Wenn er sich dieser Mechanik der Konditionierung nicht bewusst ist, wird die Trauer um so stärker und quälender sein. Natürlich braucht die Trauer so oder so ihren Raum, aber wenn jemand das Loslassen bereits gelernt hat (eine Lektion, die wir im Leben immer und immer wieder lernen), ist es deutlich leichter, damit umzugehen. Und genau dieses Loslassen ist die Lektion jedes offenen Zentrums in unserer Körpergrafik, es ist notwendig, um die Sensibilität und Offenheit zu gewährleisten, und um die Gaben dieser Zentren nutzen zu können.

Ebenso wichtig ist es natürlich, durch das Vertrautwerden mit dem eigenen Chart ein Gefühl dafür zu bekommen, wie es ist, ganz bei sich selbst zu sein – sich seiner fix definierten Bereiche voll bewusst zu werden, würde man sagen. Aber ebenso wichtig wie das Vertrauen auf meine Definition ist es, die offenen Bereiche auch offen zu lassen, damit das Leben hineinströmen kann – nicht umsonst heisst es, die offenen Zentren sind die Lernthemen unserer Inkarnation. Solange man sich nicht mit der Konditionierung, die einem ständig wiederfährt, identifiziert, ist sie ein Geschenk und kein Fluch.

Um den Kreis zum Vatertag wieder zu schliessen – der größte konditionierende Einfluss in unserem Leben kommt üblicherweise von den Eltern, insbesondere der Mutter (ja ich gebs zu, ich wollte den Artikel schon zum Muttertag schreiben 😉 ). Am Anfang unseres Lebens ist die Konditionierung unerlässlich, um grundlegende Regeln des Zusammenlebens zu lernen. Interessanterweise heisst es ja im Human Design, es brauche 7 Jahre, bis ein Konditionierungs- bzw. Dekonditionierungsprozess vollständig abgeschlossen ist (es heisst ja auch, dass sich in 7 Jahren alle Körperzellen vollständig erneuert haben). Das finde ich deshalb bemerkenswert, weil nach den ersten 7 Jahren, bzw. in unserer Kultur nach etwas mehr als 6 Jahren, ein neuer Abschnitt der Konditionierung für einen jungen Menschen beginnt. Er wird nicht mehr hauptsächlich von den Eltern beeinflusst, sondern nun sehr stark von der Schule. Mit 14 kommt der nächste große Wendepunkt – mache ich nun eine Lehre, oder gehe ich weiter auf eine Schule?

Gerade die ersten zwei „Konditionierungsrunden“ bis 14 prägen unser späteres Leben oft  sehr stark – zum Guten oder auch zum Schlechten. Dummerweise, wie ich aus eigener Erfahrung sagen kann, ist unser heutiges Schulsystem nicht darauf ausgelegt, den einzelnen Menschen sich selbst näher zu bringen, sondern es geht darum, „gut funktionierende“ Arbeitskräfte zu produzieren – das wäre sozusagen die prototypische „schlechte“ Konditionierung, weil es einfach darum geht, Menschen so zu bearbeiten, dass sie in eine vorgefertigte Schublade passen. „Gute“ Konditionerung wäre es ,wenn dem jungen Menschen sein/ihr wahres Ich nähergebracht wird, sei es durch Human Design oder beliebige andere Techniken, damit sie zu sensiblen, selbständig denkenden und handelnden Erwachsenen heranreifen, die nicht ständig nur das Geld im Kopf haben. Denn was dabei herauskommt, wenn junge Menschen durch seelenlose Systeme geschleust werden, um sie schön gleichförmig zu machen, sieht man ja jeden Tag in den Nachrichten.

Liebevolle Konditionierung wünscht euch

Geri

P.S.: Eine Kinderbuchempfehlung zum Thema: „Wenn die Ziege schwimmen lernt“ von Neele Moost und Pieter Kunstreich

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Über Geri

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2 Antworten zu Konditionierung – eine Betrachtung

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